Navigation und Service

Die Methoden der Stasi

Bei der Stasi war die Hauptabteilung XX hauptverantwortlich für die Bekämpfung der Opposition, was die Verhinderung, Aufdeckung und Bekämpfung von Demonstrationen, Versammlungen und Vereinigungen beinhaltete. Sie arbeitete eng mit anderen Abteilungen zusammen, zum Beispiel mit der Hauptabteilung VIII. Deren Aufgabe war es, operative Beobachtungen und Ermittlungen durchzuführen. Im Auftrag der HA XX setzte die Abteilung 12 der Hauptabteilung VIII Beobachter ein, um "operativ interessierende Personen" zu beschatten.

"Zielpersonen" wurden über einen festgelegten Zeitraum beobachtet, um Hinweise auf ihren Charakter, ihre Aufenthaltsorte, Verbindungen, ihre Arbeitsstelle, Lebensgewohnheiten und Hobbys zu erhalten. Die Auftraggeber erhofften sich von den Beobachtungen weiterführende Berichte oder Belege für strafbare Handlungen, zum Beispiel Nachweise über einen "verfassungsfeindlichen Zusammenschluss" (§107). Die Spitzel waren angewiesen bei "Gefahr im Verzug" einzuschreiten. Sie kontrollierten Ausweise, stellten Beweismittel sicher und nahmen "Provokateure" vorläufig fest.

Der Demonstrationszug vor dem Palast der Republik in Berlin.Der Protestmarsch am 4. November 1989 am Palast der Republik. Die Demonstration war zu jedem Zeitpunkt unter genauer Beobachtung der Stasi. Quelle: BStU, MfS, HA XX, Fo 1167, Bild 0015

Kontrolle und Repression

Durch ein dichtes Netz an Informanten gelang es der Stasi lange Zeit, Versammlungen und Vereinigungen kritischer Zeitgenossen zu kontrollieren. Die Stasi unterwanderte die Gruppen mit Spitzeln. Durch die daraus gewonnenen Informationen konnten die "Rädelsführer" ausfindig gemacht werden. Die Stasi leitete Zersetzungsmaßnahmen gegen sie ein, verhängte Ordnungsstrafen und versuchte sie zu isolieren.

Dieses Vorgehen lässt sich am Beispiel des Weimarer Montagskreises nachvollziehen. In den frühen 80er Jahren trafen sich Jugendliche in einer kirchlichen Friedensgruppe. Sie diskutierten über Umweltschutz und Friedensarbeit und erklärten sich solidarisch mit sechs weiteren Jugendlichen, die im Jahr zuvor aufgrund ihrer Friedenslosungen an Hauswänden ins Gefängnis kamen. Die Stasi ermittelte daraufhin gegen sie wegen "staatsfeindlicher Hetze" und "staatsfeindlichen Verbindungen". Ziel war die "Liquidierung des sogenannten Montagskreises als Sammelbecken oppositioneller Kräfte". Anderthalb Jahre später verhaftete das MfS die vier "Initiatoren" und verkündete die Zerschlagung des Montagskreises.

Bei freien Demonstrationen wie am 7. September 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz schlichen sich Mitarbeiter der Stasi in zivil unter die Teilnehmenden. Ihre Aufgabe war es, alles zu beobachten und festzuhalten. Mit Fotoapparaten und Videokameras nahmen die Spitzel das Geschehen auf. Sie notierten die Personalien derjenigen, die sich in besonderer Weise auffällig verhielten. Wenn möglich ohne großes Aufsehen zu erregen, verhaftete die Stasi Demonstranten und führte sie zu Vernehmungen ab. Ziel war es, herauszufinden, wer hinter den Versammlungen steckte und für die Organisation und Durchführung verantwortlich war.

Eine Menschenmenge überquert eine Spreebrücke. Vielen halten Transparente und Plakate in die Höhe.Am 4. November 1989 überquert eine Menschenmenge eine Brücke über die Spree. Quelle: BStU, MfS, HA XX, Fo 1021, Bild 0014

Gewalt und Friedliche Revolution

Die Massenproteste der Friedens- und Menschenrechtsbewegung im Herbst 89 übertrafen die Befürchtungen der Sicherheitsorgane. Der Stasi gelang es nur noch schwer, die Demonstrationen im Keim zu ersticken. Auch Drohungen mit aller Härte gegen Versammlungen und Vereinigungen vorzugehen, erzielten nicht die gewünschte Wirkung. Erfuhr die Stasi durch den Einsatz Inoffizieller Mitarbeiter (IM) von bevorstehenden Demonstrationen oder Vereinigungen, versuchte sie schon Tage vorher, Maßnahmen zu ihrer Verhinderung zu ergreifen.

Bei offiziellen Versammlungen und Großveranstaltungen war die Stasi ebenfalls involviert. Bereits im Vorfeld kontrollierte sie die Zufahrtswege, verwies Personen aus der Hauptstadt Ost-Berlin oder verhaftete sie. Am 17. Januar 1988 beispielsweise beabsichtigten auch Angehörige unabhängiger Menschenrechtsgruppen an der offiziellen Gedenkveranstaltung zum 69. Jahrestag der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg teilzunehmen.

Die Stasi zwang die "Störenfriede", ihr Fernbleiben an der offiziellen Demonstration mit Mitgliedern der Partei- und Staatsführung schriftlich zuzusichern. Viele wurden in ihren Wohnungen festgehalten oder auf dem Weg zum Treffpunkt abgefangen. Insgesamt nahm die Stasi in Zusammenarbeit mit der Volkspolizei über hundert Gegendemonstranten fest. Das harte Durchgreifen führte jedoch wieder zu neuen Protestwellen und Solidarisierungskampagnen, die nicht mehr in den Griff zu bekommen waren.

Missachtung der negativen Versammlungsfreiheit

In der DDR hatten staatliche Parteien und Verbände die gesamte Gesellschaft durchorganisiert. Egal ob Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB), Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB), Freie Deutsche Jugend (FDJ), Demokratischer Frauenbund Deutschlands (DFD), Kulturbund oder Gesellschaft für Sport und Technik (GST): Die DDR war durchzogen von einem System der Massenorganisationen, die der führenden Partei - der SED - untergeordnet waren. Durch sie sollten möglichst große Teile der Bevölkerung beeinflusst und kontrolliert werden.

Die Mitgliedschaft in den Massenorganisationen war zwar grundsätzlich freiwillig, jedoch bildete sie eine wichtige Voraussetzung für sozialen und beruflichen Aufstieg. Schon allein deshalb traten viele Bürgerinnen und Bürger in der DDR diesen Vereinigungen bei.

Umso auffälliger war es, wenn sich Menschen bewusst gegen die Mitgliedschaft in den Massenorganisationen entschieden. Wer sich diesen Kontrollinstrumenten entzog, machte sich verdächtig und geriet so unter Umständen ins Visier der Stasi. Und selbst wenn die Beschattung keine weiteren Beweise für regimekritisches Handeln hervorbrachte, mussten die Betroffenen mit Verleumdungen und Erniedrigungen durch das MfS rechnen. Denn zur Strategie der Geheimpolizei gehörte, die Schwächen eines Menschen herauszufinden und sie dort anzugreifen. Und wenn die Stasi keine fand, wurden sie erfunden.

Angebote der Behörde

Weiterlesen: Beispiele aus den Stasi-Akten