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Beispiele aus den Stasi-Unterlagen

Punks in der DDR
   
Fotoaufnahmen des Staatssicherheitsdienstes von zwei Punks.

Fotoaufnahmen des Staatssicherheitsdienstes von zwei Punks. Quelle: BStU, MfS, HA IX, Fo 1705, Bild 0002

Fotoaufnahmen des Staatssicherheitsdienstes von einem zugeführten Punk.

Fotoaufnahmen des Staatssicherheitsdienstes von einem zugeführten Punk. Quelle: BStU, MfS, HA IX, Fo 1705, Bild 0003

Fotoaufnahmen des Staatssicherheitsdienstes von zwei Punks.

Fotoaufnahmen des Staatssicherheitsdienstes von zwei Punks. Quelle: BStU, MfS, HA IX, Fo 1705, Bild 0004

Fotoaufnahmen des Staatssicherheitsdienstes von einem Punkertreffen.

Fotoaufnahmen des Staatssicherheitsdienstes von einem Punkertreffen. Quelle: BStU, MfS, HA IX, Fo 1705, Bild 0005

Aufnahme von einem Punk in einem besetzten Haus. Die Wände sind mit Sprüchen bemalt.

Aufnahme von einem Punk in einem besetzten Haus. Die Wände sind mit Sprüchen bemalt. Quelle: BStU, MfS, HA IX, Fo 1705, Bild 0006

Aufnahme von einer mit Nieten besetzten Lederjacke. Auf ihr ist ein Aufnäher angebracht, auf dem steht: "Mach kaputt was kaputt geht!"

Aufnahme von einer mit Nieten besetzten Lederjacke. Auf ihr ist ein Aufnäher angebracht, auf dem steht: "Mach kaputt was kaputt geht!" Quelle: BStU, MfS, HA IX, Fo 1705, Bild 0007

Mir einer Reihe von Fotoserien erfasste die Stasi Jugendliche, die sich anders kleideten und benahmen als dies den gängigen Normen entsprach. Dazu zählten auch die Punks in der DDR. Die Bildergalerie zeigt erkennungsdienstliche Aufnahmen der Hauptabteilung IX, zuständig für politische Ermittlungsverfahren.

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Überwachungsvideo der Stasi, offensichtlich zur Dokumentation der jungen Punk-Szene in Ostberlin. Genauere Information zu Entstehung und Zweck des Videos fehlen.Quelle: BStU

Jugendkulturen in den Stasi-Akten

Um über die verschiedenen Ausprägungen der Jugendkulturen in der DDR im Bilde zu sein, setzte das MfS auf Informationen von IMs aus den entsprechenden Kreisen selbst. In einem handschriftlichen Bericht eines IMs finden sich detaillierte Angaben zu den existierenden Subkulturen in Potsdam. Darin enthalten sind detaillierte Angaben zum Aussehen, zum Vorlieben, zum Verhalten und zugehörigen Personen mit Name und Anschrift.

Dokument: Handschriftliche Notizen aus den Stasi-Akten über Jugendkulturen in Potsdam

Aus den verschiedenen zusammengetragenen Informationen fertigte die Stasi einen Erkennungsschlüssel zu den verschiedenen Jugendkulturen in der DDR an. Darin spiegelt sich der Blick der Geheimpolizisten auf diese Gruppen wider. Allein durch Äußerlichkeiten, wie einem bestimmten Kleidungsstil, konnten Jugendliche in das Blickfeld des MfS geraten und liefen Gefahr, in ihrer freien Entfaltung und Selbstverwirklichung eingeschränkt zu werden.

Dokument: Erscheinungsformen und Merkmale von Jugendkulturen in der DDR

"Gesellschaftswidrige Verhaltensweisen" von Jugendlichen beschäftigten die Stasi sehr stark. In der Juristischen Hochschule des MfS in Potsdam forschten Stasi-Mitarbeiter unter dem Deckmantel der Wissenschaft nach Möglichkeiten unliebsame Jugendgruppen zu beeinflussen oder aufzulösen. Die Ergebnisse dieser Seiten zeigen, dass die Geheimpolizei gewillt war, direkten Einfluss auf die Entfaltung von Jugendlichen in der DDR zu nehmen.

Dokument: Maßnahmen zur Beeinflussung und Auflösung von Jugendgruppen mit gesellschaftswidrigen Verhaltensweisen

Im Abschlußbericht zum OV "Tramper" beglückwünscht sich die Stasi selbst für ihr Einwirken auf eine Gruppe Jugendlicher, die sich andernfalls angeblich zu Staatsfeinden entwickelt hätte. Ab 1978 entwickelte sich in und um Gera ein loser Verband von Jugendlichen, die gemeinsam Veranstaltungen besuchten. Üblicherweise fielen sie durch Störaktionen und Alkoholkonsum auf.

Darüber hinaus organisieren sie Veranstaltungen außerhalb staatlicher Organisationen und äußerten sich negativ über die Ausbürgerung Biermanns aus der DDR. Ein politisches Programm lag dem nicht zu Grunde, wie die Stasi selbst feststellte. Die Staatssicherheit initiierte in der Folge eine Reihe von Schikanen gegen die einzelnen Mitglieder, welche sich nach und nach zurückzogen. Die Gruppe hörte in Folge der Stasi-Maßnahmen auf zu existieren.

Dokument: Abschlussbericht zum Operativen Vorgang "Tramper" vom 20. September 1982

Musiker im Visier der Geheimpolizei

Die Zentrale Informations- und Auswertungsgruppe des MfS (ZAIG) berichtet in diesem Papier über die Gefahren, die von Beat-Musikern und deren Anhang ausgehen. Die ZAIG war die wichtigste Schaltstelle im Ministerium für Staatssicherheit und u.a. für die Berichterstattung an die politische Führung zuständig. Im vorliegenden Beispiel lassen sich einige skandalisierende Tendenzen herauslesen.

Dokument: Information über negative Auswirkungen bei Auftritten von Beat-Formationen vom 23. Juli 1975

In einem anderem Papier aus dem selben Jahr finden sich ähnliche Verzerrungen, sind jedoch auf eine Musikgruppe beschränkt. Die "Klaus-Renft-Combo" hatte ab 1958 mit systemkritischen Texten immer wieder den Unmut der DDR-Führung auf sich gezogen. Folglich wurden immer wieder Auftrittsverbote ausgesprochen. 1975 musste sich die Band komplett auflösen. Der ZAIG-Bericht bezieht sich auf die Zeit unmittelbar danach. Die Musiker standen weiter unter Kontrolle der Stasi.

Dokument: Bericht über die Leipziger Rockgruppe "Klaus-Renft-Combo" vom 29. September 1975