Navigation und Service

Die Methoden der Stasi

Für die Überwachung privater Wohnungen waren zwei verschiedene MfS-Abteilungen zuständig. Die auch für das Abhören der privaten Telekommunikation zuständige Abteilung 26 übernahm Einbau und Abhören von Wanzen. Die Hauptabteilung VIII (Beobachtung, Ermittlung, Durchsuchung und Festnahme) kam bei sogenannten "konspirativen Durchsuchungen" zum Einsatz.

In beiden Fällen handelte es sich streng genommen um Dienstleistungen innerhalb des MfS-Apparates. Der eigentliche Auftraggeber war häufig die Hauptabteilung IX, zuständig für Ermittlungsverfahren mit politischer Bedeutung. Sie erteilte die Arbeitsanweisung, eine Wohnung zu durchsuchen oder darin Abhöranlagen zu installieren, um Hinweise oder Beweise für die weitere strafrechtliche Verfolgung einer Person zu sammeln. Häufig stammten Aufträge auch von der Spionageabwehr (Hauptabteilung II), generell konnte jede andere Diensteinheit Menschenrechtsverletzungen in privaten Wohnungen beauftragen.

Die Stasi fotografierte die Privaträume von Bürgern.Die Stasi fotografierte die Privaträume von Bürgern. Quelle: BStU, MfS, HA IX, Fo 0120, Bild 0016

Wohnungsdurchsuchungen

Die im Stasi-Jargon als "konspirative Durchsuchung" bezeichneten illegalen Wohnungseinbrüche waren eine aufwändige, personal- und zeitintensive Angelegenheit. Dieses geheimpolizeiliche Mittel kam deshalb nur in ausgewählten Fällen und nicht flächendeckend zum Einsatz. Durch akribische Vorbereitungen musste sichergestellt sein, dass weder die Bewohner noch deren Umfeld etwas mitbekamen.

Zu Beginn beobachteten die MfS-Mitarbeiter die täglichen Gewohnheiten der Bewohner eines Haushaltes, um eine spontane Rückkehr ausschließen zu können. Dabei überließen sie nichts dem Zufall und sorgten in Kooperation mit anderen staatlichen Einrichtungen dafür, dass die Bewohner bei einem fingierten Termin oder am Arbeitsplatz festgehalten wurden. Im Rahmen des "politisch-operativen Zusammenwirkens" arbeiteten dabei beispielsweise Vorgesetzte am Arbeitsplatz, Schuldirektoren, Behördenmitarbeiter oder Ärzte als Inoffizielle Mitarbeiter (IM) zusammen.

Auf diese Unterstützer kam es auch an, wenn es darum ging, Verbündete im Wohnhaus des Opfers zu finden. Mit deren Hilfe konnte die Stasi einen Stützpunkt einrichten oder den Hausschlüssel von Bewohnern für kurze Zeit entwenden, um ihn nachfertigen zu lassen.

Innerhalb des MfS war ein komplizierter Dienstweg einzuhalten. Der Minister für Staatssicherheit selbst oder einer seiner Stellvertreter in den Diensteinheiten oder Bezirksverwaltungen genehmigten eine illegale Durchsuchung.

Im Anschluss startete die eigentliche Aktion. Die Wohnungstüren öffneten die Stasi-Spezialisten entweder mit einem kopierten Schlüssel oder brachen sie ohne sichtbare Spuren auf. Eine andere Möglichkeit bestand darin, Mitarbeiter eines Schlüsseldienstes als IM zu werben. Im Durchschnitt benötigten die MfS-Ermittler während eines Einsatzes drei bis vier Stunden. Sie untersuchten jeden Quadratmeter der Bleibe des jeweiligen Opfers und hielten alles per Foto oder Video fest. Vor allem an Aufzeichnungen, Briefen, Notizen oder Fotografien waren die Geheimpolizisten interessiert.

Bei Wohnungsdurchsuchungen wurden auch private Dokumente gelesen und fotografiert.Bei Wohnungsdurchsuchungen wurden auch private Dokumente gelesen und fotografiert. Quelle: BStU, MfS, HA IX, Fo 0120, Bild 0015

Nach der Durchsuchung fertigten die Agenten einen Abschlussbericht an und nahmen darin nicht nur strafrechtlich relevante Aspekte auf, sondern jedes noch so kleine private Detail. Nicht selten wurden die Bewohner unmittelbar nach der Durchsuchung verhaftet, weil dann genug belastendes Material vorlag. Danach gab es eine weitere, gerichtlich genehmigte Durchsuchung, um die gefunden Beweise zu legalisieren und sie in einem Prozess verwenden zu können.

Abhörmaßnahmen

Was in der Abteilung 26 als "akustische Überwachung in geschlossenen Räumen" oder "B-Maßnahme" bezeichnet wurde, ist im allgemeinen Sprachgebrauch als "Verwanzen" bekannt. Diese MfS-Einheit verletzte so nicht nur das Fernmeldegeheimnisdurch Abhören von Telefongesprächen, sie verantwortete auch die Eingriffe in die Unverletzlichkeit der Wohnung.

Abhöranlage (Wanze) in einer Privatwohnung.Abhöranlage (Wanze) in einer Privatwohnung. Quelle: BStU, MfS, Abt. 26, Fo 0002, Bild 0014

Auch die Installation einer "Wanze" bereitete die Stasi als "konspirative" Maßnahme langwierig vor. Die sogenannte "technische Vorlaufarbeit" übernahm die Abteilung 26. Dort herrschte ständiger Mangel an geeigneter Technik, weswegen die entsprechenden Stasi-Mitarbeiter mit Westimporten arbeiteten oder eigene Entwicklungen nutzten.

Abhöranlagen wurden bei einem klassischen Einbruch nach dem Muster der "konspirativen Durchsuchung" installiert. Ein anderer Ansatz bestand darin, unmittelbare Nachbarn als IM zu gewinnen und über eine Wandbohrung "Wanzen" in der gewünschten Wohnung anzubringen.

Die Effizienz der eingesetzten Technik hing stark von den Gewohnheiten der Bewohner ab. Ein laufendes Radio oder ein aufgedrehter Wasserhahn konnten die Auswertung der Aufzeichnungen unmöglich machen. Mit solchen Mitteln versuchten sich Menschen zu schützen, die vermuteten, dass die Stasi ihre Wohnung abhörte. Die Ergebnisse einer Abhörmaßnahme leiteten die MfS-Mitarbeiter als wörtlichen oder zusammenfassenden Bericht an die beauftragende Diensteinheit weiter.

Angebote der Behörde

  • MfS-Handbuch: Abteilung 26. Telefonkontrolle, Abhörmaßnahmen und Videoüberwachung
  • MfS-Handbuch: Hauptabteilung VIII. Beobachtung, Ermittlung, Durchsuchung, Festnahme
  • Quellen für die Schule: "Revisor". Überwachung, Verfolgung und Inhaftierung eines Mannes durch das MfS

Weiterlesen: Beispiele aus den Stasi-Akten