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Die Methoden der Stasi

Innerhalb des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) existierten drei Abteilungen, die für die menschenrechtswidrige Überwachung der Post- und Telefonkommunikation zuständig waren: die Abteilungen M (Postkontrolle), die Abteilung 26 (u.a. Telefonkontrolle) sowie die Hauptabteilung III (ab 1982 bei grenzübergreifender Überwachung). Abteilung M und 26, die sich in den Bezirksverwaltungen jeweils als "Linie" und nicht "Abteilung" fortsetzten, fungierten dabei als Dienstleister, die den anderen Abteilungen zuarbeiteten.

Brief- und Paketkontrolle

Voraussetzung für eine flächendeckende Kontrolle des Briefverkehrs war die institutionelle Abhängigkeit des Ministeriums für Post- und Fernmeldewesen von der SED. So konnte der Staatsapparat seiner Geheimpolizei Zugriff auf die private Kommunikation seiner und Bürger anderer Staaten verschaffen. Begünstigend wirkte auch die nahezu militärische Organisation der Post, die als "alleiniger Nachrichtenverkehrsträger der DDR" erster Ansprechpartner für das MfS bei der Überwachung privater Kommunikation war. Nicht zuletzt war die Post durch Inoffizielle Mitarbeiter (IM) unterwandert, die Abhörmaßnahmen durch Manipulationen an der Infrastruktur unterstützten.

Fahndungstafeln für die Anschriftenfahndung. In solchen konspirativen Räumen in den Postämtern filterten hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter in Postuniformen den Briefverkehr.Fahndungstafeln für die Anschriftenfahndung in einem Postamt. Hier filterten hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter in Postuniformen den Briefverkehr. Tauchte ein Schreiben mit einer auf den Tafeln verzeichneten Überschrift auf, wurde der Brief für die weitere Kontrolle aussortiert. Quelle: BStU, MfS, Abt. M, Fo 0029, Bild 0028

In "konspirativen Räumen" innerhalb der insgesamt 15 Briefverteilämter in den Bezirken der DDR gab es jeweils eine sogenannte "Stelle 12". Dort filterten hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter in Postuniformen den gesamten Briefverkehr aufgrund konkreter Vorgaben. Einer genaueren Kontrolle unterzog die Staatssicherheit grundsätzlich Sendungen des gesamten internationalen Postverkehrs, Briefe aus und nach Ost-Berlin sowie den Bezirkshauptstädten und aus Briefkästen an Transitstrecken. Ins Visier gerieten immer wieder auch Orte, in denen sich Widerstand gegen das SED-Regime regte.

Konkrete Fahndungsaufträge sprach die für das Nachrichten- und Fernmeldewesen zuständige Hauptabteilung XIX aus. Dafür existierten große Fahndungstafeln, die mit Namen und Adressen bestückt waren. Die Mitarbeiter der Abteilung M glichen die durchlaufenden Briefe mit diesen Daten ab. Gleichzeitig entstand bei dieser Arbeit die sogenannte M-Kartei. Die bei der Kontrolle festgestellten Verbindungen zwischen Absender und Adressat wurden alphabetisch nach Namen abgelegt und zusätzlich mit Hilfe des polizeilichen Melderegisters ergänzt. So entstand eine Datensammlung von enorm hoher Dichte – angelegt unter millionenfacher Verletzung des Brief- und Fernmeldegeheimnisses.

Über einen Kurierdienst gelangten die Sendungen in die Dienstgebäude des MfS, wo sie mit Wasserdampf befeuchtet, geöffnet, kopiert, auf Wertsachen durchsucht, wieder verschlossen oder sogar einbehalten wurden. Dafür stand in der Regel ein Zeitraum von zwölf Stunden zur Verfügung. Erst danach konnte die Deutsche Post mit der regulären Briefzustellung beginnen.

Kaltdampfgeräte des MfS zum Öffnen von Briefen mit sogenannten "Einlagen". Das waren zum Beispiel Fotos, die der heiße Dampf der Öffnungsmaschinen für normale Briefe beschädigt hätte.Kaltdampfgeräte des MfS zum Öffnen von Briefen mit sogenannten "Einlagen". Das waren zum Beispiel Fotos, die der heiße Dampf der Öffnungsmaschinen für normale Briefe beschädigt hätte. Quelle: BStU, MfS, Abt. M, Fo 0031, Bild 0001

Bei der Suche nach Wertsachen sammelte die Stasi wichtige Devisen für den Staatshaushalt. Das MfS entnahm D-Mark-Beträge grundsätzlich aus den überprüften Briefen. Allein zwischen Januar 1984 und November 1989 ergab dies eine Summe von 32,8 Millionen DM. Das Geld wurde entwendet und der betroffene Brief vernichtet. Ebenso verfuhr die Stasi bei Paketen, wobei sie in diesem Fall mit dem Zoll kooperierte.

Da die Postkontrolle auch gegen geltendes DDR-Recht verstieß, erzeugte die Staatssicherheit durch ein spezielles Verfahren Scheinlegalität, um Briefe vor Gericht verwenden zu können. MfS-Mitarbeiter formulierte für die Post Schreiben, die den Betroffenen erklärten, dass ihre Briefe aufgrund eines Verstoßes gegen die Postordnung einbehalten wurden. Bei deutlich verzögerten Sendungen wurden die Daten der Poststempel unkenntlich gemacht. Die Mitarbeiter der Abteilung M verschlossen die geöffneten Briefe sorgfältig und ersetzten außerdem bei Bedarf die Umschläge inklusive Wertmarke. Dafür gab es eine eigens angelegte Briefmarkensammlung aus aller Welt.

MfS-Mitarbeiter beim Abhören zuvor aufgezeichneter Telefongespräche.MfS-Mitarbeiter beim Abhören zuvor aufgezeichneter Telefongespräche. Quelle: BStU, MfS, HA III, Fo 0313, Bild 0076

Telefonkontrolle

Die für Telefonkontrolle zuständige Abteilung 26 agierte grundsätzlich nur auf Weisung anderer, operativer Diensteinheiten, beispielsweise von der Hauptabteilung XX, die nach Oppositionellen fahndete. Am Anfang der Abhörmaßnahmen stand ein Inoffizieller Mitarbeiter der Post, die auch für das Telefonnetz zuständig war. Dieser erhielt den Auftrag, die notwendigen Manipulationen im Leitungsnetz vorzubereiten. Hatte eine zu überwachende Person, wie in der DDR durchaus üblich, keinen eigenen Telefonanschluss, dann konnte das MfS darauf einwirken, dass der entsprechende Antrag eilig behandelt wurde. So kam der Betreffende unverhofft zu einem eigenen Anschluss.

Das Abhören ging auf Kosten der Signallautstärke und erzeugte ein Knacken in der Leitung. Das MfS richtete über die ganze DDR verteilte Abhörstudios ein. Dort zeichneten Mitarbeiter Gespräche ganz oder teilweise auf, im Durchschnitt über einen Zeitraum von 30 Tagen. Je nach Inhalt und Wichtigkeit wurden aus den Tonband- oder Kassettenaufnahmen Transskripte oder Zusammenfassungen erstellt und an die Abteilung weitergeleitet, die den Auftrag zur Telefonkontrolle erteilt hatte.

Angebote der Behörde

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