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Beispiele aus den Stasi-Unterlagen

MfS-Fotodokumentation von Festnahme nach Fluchtversuchen
   
Von der Stasi vermutlich kurz nach der Festnahme der Fluchtwilligen 1973 nachgestelltes Foto. Eine Familie mit drei Kindern im Kofferraum eines Westberliner Opel Kapitän.

Von der Stasi vermutlich kurz nach der Festnahme der Fluchtwilligen 1973 nachgestelltes Foto. Eine Familie mit drei Kindern im Kofferraum eines Westberliner Opel Kapitän. Quelle: BStU, MfS, HA IX, Fo 2180, Bild 0008

Von der Stasi vermutlich kurz nach der Festnahme der Fluchtwilligen nachgestelltes Foto. Eine Familie mit drei Kindern im Kofferraum eines Westberliner Opel Kapitän.

Von der Stasi vermutlich kurz nach der Festnahme der Fluchtwilligen nachgestelltes Foto. Eine Familie mit drei Kindern im Kofferraum eines Westberliner Opel Kapitän. Quelle: BStU, MfS, HA IX, Fo 2180, Bild 0009

Von der Stasi vermutlich kurz nach der Festnahme der Fluchtwilligen nachgestelltes Foto. Eine Familie mit drei Kindern im Kofferraum eines Westberliner Opel Kapitän.

Von der Stasi vermutlich kurz nach der Festnahme der Fluchtwilligen nachgestelltes Foto. Eine Familie mit drei Kindern im Kofferraum eines Westberliner Opel Kapitän. Quelle: BStU, MfS, HA IX, Fo 2180, Bild 0010

Von der Stasi vermutlich kurz nach der Festnahme der Fluchtwilligen nachgestelltes Foto. Die festgenommene Familie und ihre Fluchthelfer vor dem Fluchtfahrzeug.

Von der Stasi vermutlich kurz nach der Festnahme der Fluchtwilligen nachgestelltes Foto. Die festgenommene Familie und ihre Fluchthelfer vor dem Fluchtfahrzeug. Quelle: BStU, MfS, HA IX, Fo 2180, Bild 0014

Von der Stasi vermutlich kurz nach der Festnahme der Fluchtwilligen nachgestelltes Foto. Einer der Fluchthelfer hinter dem Steuer des Fluchtfahrzeugs, das Gesicht in den Händen vergraben.

Von der Stasi vermutlich kurz nach der Festnahme der Fluchtwilligen nachgestelltes Foto. Einer der Fluchthelfer hinter dem Steuer des Fluchtfahrzeugs, das Gesicht in den Händen vergraben. Quelle: BStU, MfS, HA XX, Fo 0558, Bild 0002

Von der Stasi vermutlich kurz nach der Festnahme der Fluchtwilligen nachgestelltes Foto. Einer der Fluchthelfer hinter dem Steuer des Fluchtfahrzeugs.

Von der Stasi vermutlich kurz nach der Festnahme der Fluchtwilligen nachgestelltes Foto. Einer der Fluchthelfer hinter dem Steuer des Fluchtfahrzeugs. Quelle: BStU, MfS, HA XX, Fo 0558, Bild 0003

Einer der Fluchthelfer, umringt von Stasi-Mitarbeitern.

Einer der Fluchthelfer, umringt von Stasi-Mitarbeitern. Quelle: BStU, MfS, HA XX, Fo 0558, Bild 0004

Fotodokumentation eines zweiten Fluchtversuchs. Auch hier wurden die Flüchtenden kurz nach der Festnahme gezwungen, die Situation nachzustellen. Hier nimmt eine junge Mutter im Kofferraum des Fluchtfahrzeugs ihr Kind schützend in den Arm.

Fotodokumentation eines zweiten Fluchtversuchs von Anfang der 70er Jahre. Auch hier wurden die Flüchtenden kurz nach der Festnahme gezwungen, die Situation nachzustellen. Hier nimmt eine junge Mutter im Kofferraum des Fluchtfahrzeugs ihr Kind schützend in den Arm. Quelle: BStU, MfS, HA XX, Fo 0558, Bild 0007

Fotodokumentation eines zweiten Fluchtversuchs. Auch hier wurden die Flüchtenden kurz nach der Festnahme gezwungen, die Situation nachzustellen. Hier nimmt eine junge Mutter im Kofferraum des Fluchtfahrzeugs ihr Kind schützend in den Arm.

Fotodokumentation eines zweiten Fluchtversuchs. Auch hier wurden die Flüchtenden kurz nach der Festnahme gezwungen, die Situation nachzustellen. Hier nimmt eine junge Mutter im Kofferraum des Fluchtfahrzeugs ihr Kind schützend in den Arm. Quelle: BStU, MfS, HA XX, Fo 0558, Bild 0009

Die junge Frau steigt aus dem Kofferraum.

Die junge Frau steigt aus dem Kofferraum. Quelle: BStU, MfS, HA XX, Fo 0558, Bild 0010

Die junge Frau vor dem Fluchtwagen, ihr Kind fest im Arm.

Die junge Frau vor dem Fluchtwagen, ihr Kind fest im Arm. Quelle: BStU, MfS, HA XX, Fo 0558, Bild 0011

Die Stasi-Bilderserie zeigt Menschen, die um 1970 die DDR verlassen wollten. Sie versuchten in Zusammenarbeit mit einem Fluchthelfer in dessen Fahrzeug über die Grenze zu gelangen. Sie versteckten sich im Kofferraum des Autos und hofften, so unerkannt fliehen zu können. Doch die Stasi vereitelte das Unternehmen und nahm die "Republikflüchtlinge" fest. Zu allem Überfluss mussten sie die Flucht für eine Dokumentation nachstellen und dafür ihre Plätze im Wagen wieder einnehmen. Diese Methode wurde von der DDR-Kriminalpolizei entwickelt und war für die Menschen auf den Bildern ausgesprochen herabwürdigend. An der Haltung und den Gesichtsausdrücken der Personen lässt sich ablesen, wie sehr sie sich erniedrigt fühlen.

Zersetzung als Richtlinie

Zersetzungsmaßnahmen wandte die Staatssicherheit als Teil einer Reihe von Maßnahmen in sogenannten Operativen Vorgängen an, die gegen Einzelne oder ganze Gruppen gerichtet waren. Erstmals normiert wurde Zersetzung in der Richtlinie 1/76 (1. Januar 1976). Sie galt damit als dienstliche Bestimmung und war verbindlich für die Arbeit der MfS-Offiziere. Über Schulungen vermittelte die Stasi ihren Mitarbeitern die Inhalte dieser Anweisung. Das zeigt: Zersetzung war eine standardisierte Methode der DDR-Geheimpolizei und kein Einzelfall. In der Praxis erwuchsen daraus eine Vielzahl von konkreten Aktionen.

Dokument: Richtlinie 1/76: Maßnahmen der Zersetzung

Zersetzung als Forschungsthema

Konkrete Zersetzungsmaßnahmen gegen einzelne Personen entsprangen nicht nur den Überlegungen der am Vorgang beteiligten Offiziere. Einige Arbeiten der Juristischen Hochschule des MfS in Potsdam befassten sich mit diesem Thema mit wissenschaftlicher Gründlichkeit. Der hier dargestellte Ausschnitt aus einer solchen Arbeit entstand im thematischen Kontext der Bekämpfung von sogenannten feindlichen Jugendlichen.

Darin werden, konkret und detailliert entwickelt, Maßnahmen erläutert, die Jugendliche psychisch zerstören sollen. Die Ausarbeitung befand sich offensichtlich noch nicht in der Endfassung, da die meisten Sätze nur eine Ansammlung von Stichpunkten sind. Dessen ungeachtet lassen sich daraus Denkmuster und Vorgehensweise der Staatssicherheit ableiten.

Dokument: Spezifische Zersetzungsmaßnahmen gegen staatsfeindliche Gruppen

Absolventen der Juristischen Hochschule Potsdam lieferten mit ihren Diplomarbeiten theoretische Grundlagen für die Zersetzung von Personen und Personengruppen. Das folgende Beispiel rückte die Bekämpfung von Kulturschaffenden in den Fokus. Der Autor dieser Arbeit begründete darin, weshalb Zersetzungsmaßnahmen verstärkt anzuwenden seien und welche Mittel und Methoden dazu angewandt werden müssten.

Dokument: Diplomarbeit - Zersetzungsmaßnahmen gegen Erscheinungen des politischen Untergrundes

Zersetzungspläne

Der überzeugte Kommunist Robert Havemann wurde in nur wenigen Jahren vom Inoffiziellen Mitarbeiter der Stasi zum Staatsfeind. In den 50er Jahren lieferte er Informationen an das MfS. Gleichzeitig übte er aber auch Kritik an den politischen Verhältnissen. Die Staatssicherheit begegnete ihm zunehmend misstrauisch, hörte sein Telefon ab und arbeitete "Maßnahmepläne" gegen ihn aus.

Parallel zum wachsendem Zuspruch auf seine kritischen Vorträge an der Humboldt-Universität formierten sich auch die Hardliner der SED gegen ihn. Havemann wurde aus dem Universitätsdienst und aus der SED entlassen. Die Stasi sorgte dafür, dass Havemann keine Gelegenheit mehr bekam, das Wort zu ergreifen. Der vorliegende Zersetzungsplan zeigt, wie weit die Geheimpolizei dabei ging. Einige Passagen des Dokuments fehlen, sie sind möglicherweise durch das MfS vernichtet worden.

Dokument: Plan zur Zersetzung, Verunsicherung und Isolierung von Robert Havemann

1981 etablierte sich in Berlin-Pankow ein Friedenskreis unter dem Dach der Kirchengemeinde. Die Mitglieder arbeiteten in Gruppen zu verschiedenen Themen. Die Stasi unterwanderte und "bearbeitete" diese Oppositionsgruppe mit dem Ziel, weitere inhaltliche Tätigkeiten zu verhindern. Die zuständigen MfS-Offizieren entwickelten zusätzlich einen Zersetzungsplan gegen einzelne Mitglieder, um sie zu verunsichern und von ihrer Arbeit abzuhalten. Wie dies im Einzelnen aussah, ist im Zersetzungsplan des OV "Virus" nachzulesen. Kurzfristig hatte die Geheimpolizei mit ihren Aktionen Erfolg. Die Gruppe stellte die Arbeit nahezu ein. Im Herbst 1989 brachten sich die aktivsten Mitglieder jedoch in anderen Vereinigungen und Bewegungen ein.

Dokument: Plan zur Zersetzung zum Operativen Vorgang "Virus"