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Die Methoden der Stasi

Um die Meinungsäußerungen der Menschen zu erfassen und unter Umständen auch verfolgen zu können, arbeiteten mehrere Abteilungen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) eng zusammen. Grundlegende Informationen lieferte das weit verzweigte Spitzelsystem mit zuletzt rund 180.000 Inoffiziellen Mitarbeitern (IM). Diese Informanten waren in allen Bevölkerungsgruppen der DDR aktiv und unterschiedlichen Abteilungen zugeordnet.

Eine herausragende Rolle spielte dabei die Hauptabteilung IX der Staatssicherheit, zuständig für Ermittlungsverfahren in allen Fällen mit politischer Bedeutung. Ebenso intensiv wirkte die Hauptabteilung XX, zuständig u.a. für den "politischen Untergrund", auf diesem Gebiet. Sie verfolgte oppositionelle Meinungsäußerungen und Handlungen im Bereich von Kirchen, Kultur und Opposition und entwickelte Strategien, diese zu unterbinden.

Um kritische Meinungen zu ermitteln, setzte die Stasi auch auf die Telefon- und Postkontrolle. Ab den 60er Jahren öffneten die Experten der Abteilung M zielgerichtet Briefe von DDR-Bürgern. Die Stasi wollte sich so Meinungsbilder beispielsweise über den Mauerbau verschaffen, um auf dieser Grundlage ermitteln zu können.

Von der Stasi abgefangene Post, die sie operativ auswertete.Von der Stasi abgefangene Post, die sie operativ auswertete. Quelle: BStU, MfS, HA XX, 3288

Mit dem technischen Fortschritt wuchsen auch die Überwachungsmöglichkeiten. Die federführenden Stasi-Diensteinheiten konnten auf die Hilfe der Abteilung 26 für Telefonüberwachung zurückgreifen. Deren Mitarbeiter führten auch die akustische Überwachung in geschlossenen und begrenzten freien Räumen durch. Die Abhör- und Kontrollexperten wurden oft schon aufgrund geringfügiger Verdachtsmomente gegen Personen eingesetzt, die das Misstrauen der Stasi auf sich gezogen hatten.

Die DDR-Geheimpolizei ermittelte aber nicht nur gegen geplante Protestaktionen oder kritische Äußerungen im Alltag. Häufig spionierte sie potenzielle Wortführer schon im Vorfeld aus. Die Stasi schüchterte sie durch sichtbare Präsenz ihrer Mitarbeiter vor der Haustür ein oder nahm Bürgerrechtler vor geplanten Aktionen auf fadenscheiniger Rechtsgrundlage vorbeugend fest. "Einleitung legendierter vorbeugender Maßnahmen einschließlich zeitweiliger Zuführungen" hieß es beispielsweise in Direktiven des Leiters der Dresdener MfS-Bezirksverwaltung Horst Böhm Anfang Oktober 1989.

Durch Einschüchterung versuchte das MfS auch Freiräume, wie sie beispielsweise die Kirche bot, einzudämmen. Als Bürgerrechtler im Vorfeld der Friedlichen Revolution immer mehr gedruckte Flugblätter und Zeitungen in kirchlichen Räumen produzierten, startete die Stasi am 24. November 1987 eine Razzia in den Räumen der Umweltbibliothek in der Berliner Zionskirchengemeinde. Mitglieder der aktiven Gruppe wurden verhaftet, die Druckmaschine beschlagnahmt.

Fotodokumentation einer Razzia der Stasi in der Berliner Umweltbibliothek am 25. Januar 1987.Fotodokumentation einer Razzia der Stasi in der Berliner Umweltbibliothek am 25. Januar 1987. Quelle: BStU, MfS, HA XX, Fo 0059, Bild 0006

Das MfS unterschätzte allerdings das Aufsehen, das die Razzia in westlichen Medien erregte. DDR-weite Proteste von Unterstützern der Inhaftierten kamen in Gang, kirchliche Mahnwachen sorgten für neue Öffentlichkeit. Die Aktivisten kamen wieder frei. Der Mut einer einzelnen Gruppe, Meinungsfreiheit zumindest in Nischen durchzusetzen, hatte andere ermutigt, ihnen zur Seite zu stehen und öffentlich für Meinungsfreiheit zu kämpfen. Gegen diese Dynamik fanden SED und Stasi schließlich kaum noch ein Rezept.

Angebote der Behörde

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