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Die Methoden der Stasi

Mit der Gründung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) im Februar 1950 übernahm das "Sachgebiet Kirche" der Abteilung VI die Aufklärung und Bekämpfung der kirchlichen "Feindtätigkeit". Nach Umstrukturierungen war im MfS ab 1964 die Abteilung 4 der Hauptabteilung XX zuständig. Ihre Mitarbeiter planten, koordinierten und steuerten die geheimpolizeiliche "Bearbeitung" der Kirchen und der kleineren Religionsgemeinschaften. Entsprechende Dienststellen waren ihr auf Bezirks- und Kreisebene nachgeordnet. Darüber hinaus pflegte die Stasi enge Kontakte zu anderen staatlichen Einrichtungen wie Kriminalpolizei, Schulen, dem Parteiapparat der SED, der Jugendorganisation FDJ sowie dem Staatssekretär für Kirchenfragen.

Unterdrückung und Verfolgung

Die Strategien der Stasi waren vielfältig und von der politischen Großwetterlage geprägt. Vor allem in den ersten Jahren nach Gründung der DDR wurden Gläubige relativ offen unterdrückt und verfolgt. In enger Zusammenarbeit zwischen Staatsführung und Geheimpolizei wurden Mitarbeiter der Kirchen verhaftet. Auch innerhalb des Machtapparates machte die Stasi vermeintlich kirchenfreundliche Staatsdiener aus, die daraufhin ihrer Ämter enthoben und ebenfalls verhaftet wurden.

Die Stasi beobachtete auf dem Alexanderplatz eine Gruppe junger Erwachsener während des Singens von Kirchenliedern am 27. Juni 1987 im Rahmen des Evangelischen Kirchentages in Ostberlin.Die Stasi beobachtete auf dem Alexanderplatz eine Gruppe junger Erwachsener während des Singens von Kirchenliedern am 27. Juni 1987 im Rahmen des Evangelischen Kirchentages in Ostberlin. Quelle: BStU, MfS, BV Bln, Fo 0803, Bild 0003

Kirchliche Jugendorganisationen standen besonders im Fokus, weil sie Konkurrenz für die staatliche "Freie Deutsche Jugend" (FDJ) bedeuteten. Die Stasi hatte Anteil an der "Enttarnung" von Mitgliedern der Jungen Gemeinde als "feindliche Agenten" und ließ Anfang 1953 Hetzkampagnen gegen sie in der Presse initiieren. Junge Christen durften keine Treffen oder Veranstaltungen organisieren. Sie wurden öffentlich schikaniert und beschimpft, mitunter von Schulen verwiesen und durften nicht studieren.

Überwachung und Spaltung

Ab den 60er Jahren änderte die SED-Führung ihre Strategie gegenüber den Kirchen. Auch die Stasi verfeinerte fortwährend ihre Methoden. Zwar sahen sich Gläubige immer wieder Repressionen ausgesetzt, seltener jedoch im Licht der Öffentlichkeit. Stattdessen versuchte die Stasi gezielt, "Prozesse der inneren Spaltung" zu fördern. Aber auch so sollten die Kirchen als gesellschaftlicher Faktor zurückgedrängt und ausgeschaltet werden.

Um umfassend über innerkirchliche Entwicklungen unterrichtet zu sein, erfasste die Staatssicherheit alle Bischöfe in der DDR in sogenannten "Operativen Personenkontrollen" (OPK). Dabei überwachte sie Betroffene sowohl am Arbeitsplatz wie auch in der Freizeit und kontrollierte ihre Post- sowie Telefonanlagen. In Einzelfällen setzte sie Wanzen ein. Einige Bischöfe arbeiteten selbst als "Inoffizielle Mitarbeiter" (IM) für die Stasi. Außerdem schleuste das MfS viele Spitzel in gehobene Positionen des Kirchendienstes ein.

Zum 50. Geburtstag des 1. Stellvertreter Operativ der BV Berlin des MfS, Siegfried Hähnel, gratulieren ihm die Genossen der Hauptabteilung XX in Kostümen. Sie stellen Vertreter der Personengruppen dar, die sie dienstliche "bearbeiteten".Zum 50. Geburtstag des 1. Stellvertreter Operativ der BV Berlin des MfS, Siegfried Hähnel, gratulieren ihm die Genossen der Hauptabteilung XX in Kostümen. Sie stellen Vertreter der Personengruppen dar, die sie dienstliche "bearbeiteten". Quelle: BStU, MfS, BV Bln, Fo 0758, Bild 0051

Der Einsatz Inoffizieller Mitarbeiter diente nicht nur der Aufklärung und Informationsbeschaffung. Er zielte auch darauf, aktiv Kirchenpolitik zu organisieren. Das Ziel: Die Autonomie der Kirchen von innen zu "zersetzen". Mit Hilfe der IM bildete die Stasi Allianzen mit staatstreuen Kirchenfunktionären. Würdenträger mit "Realitätssinn" wurden belohnt, Kritiker diskreditiert, isoliert oder aus ihren Positionen gedrängt.

Immer wieder kam es innerhalb der Gemeinden zu Spannungen zwischen "realistischen und negativen Kräften", wie es im Stasi-Jargon hieß. Die Geheimpolizei nutzte Auseinandersetzungen für sich. Kirchenpolitische Entscheidungen konnte sie in der Folge gezielt beeinflussen. Die Stasi spielte so eine koordinierende Rolle bei der Durchsetzung der staatlichen DDR-Kirchenpolitik. Gleichzeitig konnten die Gemeinden eine Verbesserung ihrer Lage erreichen.

Was nach außen wie eine positive Entwicklung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche wirken sollte, konterkarierte die Lebenswirklichkeit vieler Gläubigen. Sie waren weiter versteckten Repressionen ausgesetzt und mussten eine zunehmende Militarisierung der Gesellschaft hinnehmen. Viele sahen sich Benachteiligungen wegen ihrer Religionszugehörigkeit ausgesetzt. Gleichwohl verpflichtete sich die DDR 1975 mit der Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte in Helsinki zur Einhaltung von Menschenrechten und damit auch der Glaubensfreiheit.

Angebote der Behörde

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